Leitbild des Instituts für Kirchenrecht

Das Kirchenrecht als gelebte Ordnung der katholischen Kirche ist am Institut für Kirchenrecht Gegenstand in Forschung und Lehre. Rechtsgrundlage für das Handeln in der Kirche sind vor allem die beiden kirchlichen Gesetzbücher, der Codex Iuris Canonici (CIC) und der Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium (CCEO).

Wiewohl der CIC von 1983 für die lateinische Kirche im Mittelpunkt steht, darf der für den katholisch-orientalischen Rechtskreis geltende CCEO von 1990 nicht vernachlässigt werden. In beiden kodifikatorischen Ausprägungen ist das kanonische bzw. kirchliche Recht wirkliches und nicht bloß analoges Recht. Aufgrund der geistlichen Zielsetzung der Kirche ist das kanonische Recht allerdings ein Recht eigener Prägung. Hierbei sei an das oberste Ziel jeder kirchlichen Normsetzung und Rechtsanwendung erinnert: "Salus animarum suprema lex" (vgl. c. 1752 CIC).

Die akademische Lehre des katholischen Kirchenrechts muß - auch im Hinblick auf die berufliche Tätigkeit der künftigen Theologinnen und Theologen - bestimmte Inhalte aufweisen, deren Schwerpunkte nach der Behandlung der theologischen Grundlegung der kirchlichen Rechtsordnung v. a. in der Darlegung der Kirchenverfassung mit den damit verbundenen ökumenischen Aspekten liegen, im Recht der Sakramente (insbes. Eherecht) und im Verkündigungsrecht. Darüber hinaus werden bestimmte Wahlfächer angeboten, z. B. kirchliche Rechtsgeschichte, Ordensrecht, kirchliches Vermögensrecht, Sanktions- und Verfahrensrecht sowie Grundzüge des Staatskirchenrechts.

Die kanonistische Forschung muß angesichts der immer noch verbreiteten Gleichgültigkeit gegenüber dem kirchlichen Recht bis hin zur Bestreitung seiner Legitimität vor allem Grundlagenforschung betreiben. Entsprechend dem interdisziplinären Profil des Faches Kanonisches Recht, das sich einer einfachen Klassifizierung in "biblisch-historische", "systematische" und "praktische Theologie" entzieht, stellen sich der Kirchenrechtswissenschaft neben historischen ebenso systematisch-theologische und praktische Fragen. Außerdem stellt dieses Fach eine wichtige interfakultäre Brücke zur weltlichen Rechtswissenschaft dar, was sich in Forschung und Lehre gleichermaßen auswirkt.

Der Interdisziplinarität des Faches Kirchenrecht wird immer wieder in gemeinsamen Lehrverstaltungen Rechnung getragen. Schon seit der im Mittelalter erfolgten Abgrenzung des kanonischen Rechts von der Theologie als eigenständige Disziplin ist das Kirchenrecht im theologischen Unterricht immer als selbständiges theologisches Fach ausgewiesen. Als solches ist es sowohl in c. 252 § 3 CIC als auch in der Apostolischen Konstitution "Sapientia Christiana" von 1979, dem geltenden kirchlichen Hochschulgesetz, aufgeführt.

Das Fach Kanonisches Recht ist nach staatlichen und kirchlichen Studienvorschriften als Hauptfach im Bereich der Theologie zu betrachten, für das an manchen Universitäten (neben den Päpstlichen Universitäten in Rom z. B. die Universität in München) auch ein selbständiges Graduierungsrecht in den für die kirchliche Rechtspflege gesetzlich vorgeschriebenen akademischen Graden (Doktor und Lizentiat des Kanonischen Rechts; Dr. iur. can., Lic. iur. can.) besteht. Auch wenn die Universität Wien ein solches Graduierungsrecht nicht besitzt, beteiligt sich das Institut für Kirchenrecht an Hochschullehrgängen, die einer vertieften Bildung im Kanonischen Recht dienen.